We Ruin Kunstgeschichte – Brauchen wir Quoten für Museen?

Pablo Picasso, Andy Warhol, Gerhard Richter – die Kunstgeschichte ist geprägt von den Namen weißer Männer. Im klassischen Kanon kann von Diversität keine Rede sein. Was macht das mit der Kunst? Wer ist Objekt, wer Genie? Und was hat das mit dem Abwasch und der Telefonrechnung zu tun? Darüber und wie Instagram die Kunst verändert, haben wir in unserer ersten Livefolge im Grassi Museum für Angewandte Kunst in Leipzig gesprochen – die Grassi Friends, der junge Freundeskreis des Grassi MAK, haben uns eingeladen. Mit dabei war auch die Kunsthistorikerin Sophia Pietryga. In der ersten Hälfte hört ihr unser Gespräch mit ihr und danach die Diskussion mit unserem Livepublikum. Bei Spotify, iTunes oder Podigee.

Quellen

Empfehlungen

Lara empfiehlt den Instagramaccount von Laetitia Ky, die Skulpturen aus ihren Haaren macht. Warum sie das macht und was sie inspiriert, hat sie CNN erzählt.

Philine empfiehlt die Comedyshow „Nanette“ von Hannah Gatsby, in der es unter anderem um Kunstgeschichte geht. Zu finden auf Netflix.

Taiina empfiehlt den Instagramaccount @julicampbellart. Sie postet dort ihre Stickereien.

Sophia empfiehlt das Konzept der Ausstellung „Unvergleichlich“ im Bodemuseum in Berlin, in der die Trennung in bildende Kunst (aka was aus Europa und Nordamerika kommt) vs. Völkerkundemuseum (aka alles was aus dem Rest der Welt kommt) aufgebrochen wird.

 Kanon und Kunstgeschichte

Die Märkische Allgemeine fragt: Im 19. Jahrhundert konnten viele Malerinnen von ihrer Kunst leben. In deutschen Museen finden sich aber nur wenig Exponate von diesen Malerinnen: Warum wurden die Künstlerinnen im 20. Jahrhundert vergessen? Die BBC-Doku „The Story of Women and Art“ beschäftigt sich unter anderem mit der Renaissance und vergessenen Künstlerinnen.

Pamela Joyner spricht in diesem TedTalk über die Geschichte von Black Art und wie viel vergessen oder anderen Leuten zugeschrieben wurde. Ein Beispiel: Der Schwarze Künstler Jack Whitten hat in den 1970ern mit der Maltechnik begonnen, für die Gerhard Richter später gefeiert wurde. Die Süddeutsche Zeitung schreibt über die erste Einzelausstellung von Jack Whitten in einem europäischen Museum, dem Hamburger Bahnhof in Berlin. Die war 2019.

Ein Beispiel dafür, wie ein weißer Mann die Credits von einer weißen Frau übernommen hat: Nicht Marcel Duchamp sondern Baroness Elsa von Freytag-Loringhoven hat das berühmte Readymade „Fountain“ (ein signiertes Pissoir) erfunden, schreibt Siri Hustvedt im Guardian.

Und ein Beispiel für eine Diskussion, wie sich weiße Künstler*innen nicht mit Rassismus und dem Schmerz Schwarzer Menschen auseinandersetzen sollten: Die Huffington Post berichtet über den Fall einer weißen Künstlerin, die in ihrer Kunst Schwarzen Schmerz benutzt und davon profitiert.

 Stickerei

In der Vice gibt es ein Interview mit der australischen Wissenschaftlerin Elizabeth Emery über Frauen und Sticken. New York Times, Bustle und Medium schreiben über Sticken als emanzipatorische Praxis. Susanne Frantal vergleicht in ihrer Diplomarbeit Stickvorlagen von 1915 und heute. Im Grassi Museum für Angewandte Kunst in Leiptig gibt es aktuell eine Ausstellung über Stickerei.

Frauen in der Kunstwelt

The Gallyry macht auf fünf Geschichten von Frauen aufmerksam, die wir kennen sollten. Auf der Webseite der Guerilla Girls findet man einen Großteil ihrer bisherigen Interventionen, in denen es oft um Frauen im Kunstbetrieb geht. Die Gallerie She Bam in Leipzig stellt nur Werke von weiblichen Künstlerinnen aus. Arte hat mit Künstlerinnen und Kuratorinnen über Feminismus in die Kunstwelt gesprochen. Die Zeit fragt: Haben Frauen die Macht im Kunstbetrieb übernommen? (Spoiler: Nein.)

Black, Indigenous and People of Colour in der Kunstwelt

Die Zeit spricht mit Arthur Jafa über Schwarze Kunst und Weißsein. Die Künstlerin Zanele Muholi spricht über die Darstellung schwarzer Menschen in ihrer Kunst, zu lesen im British Journal of Photography. Black Art in America erklärt das neue Interesse von US-Museen an Schwarzer Kunst.

„Künstlerfrauen“

Anna Lenz hat mit zwanzig deutschen Künstlerfrauen Interviews geführt. Daraus ist das Buch „Starke Frauen für die Kunst“ geworden, das die RP (ein bisschen unkritisch) rezensiert. Das Buch „Leben in seinem Schatten“ von Eva Maria Herbertz beschäftigt sich mit Biografien von Künstlerfrauen wie Hedwig Kubin und Mathilde „Quappi“ Beckmann. Die BZ schreibt über die Einzelausstellung von Sabine Moritz (die seit den 90ern mit Gerhard Richter verheiratet ist.)

Kunst auf Instagram

Die Weltkunst beschäftigt sich mit der Frage, wie verlässlich Instagram für die Kunstwelt ist. Es geht darum, wie Museen, Galerien und Künstler*innen Instagram Hashtags nutzen. Der Kunstkritiker Stefan Heidenreich plädiert im Deutschlandfunk für eine Demokratisierung der Kunstwelt. Dabei geht es unter anderem um „instagrammable“ Kunst (also Kunst, die sich gut für Instagram filmen und fotografieren lässt.) In dieser Folge von Lakonisch Elegant geht es um Instagram-Kunst und die Ausstellung „Link in Bio“ im MdbK in Leipzig.

Museen

Die Tate Britain in London hat für ein Jahr alle Werke von Männern abgehängt und stattdessen nur Werke von Frauen aufgehängt. Darüber berichten der Guardian und die Deutsche Welle. Der NDR beschäftigt sich mit dem Anteil von Frauen in norddeutschen Kunstmuseen. Der Spiegel schreibt über den Umgang von Museen mit Kunst von Frauen. Der Weserkurier zählt auf, welche Museen von Frauen geleitet werden.

Benachteiligung von Frauen im Kunstbetrieb

Diese Studie hat gezeigt, dass Werke von Künstlerinnen bei Auktionen für weniger Geld versteigert werden. Und diese Studie zeigt auf, an welchen Stellen Künstlerinnen benachteiligt werden, artnet hat Ergebnisse zusammengefasst.

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