We Ruin Fluchen

Fuck! Scheiße! Was zur Hölle?! Wir fluchen alle drei leidenschaftlich gerne. Das ist sogar gesund, sagen einige Wissenschaftler*innen. Wir wollen gerne fluchen und beleidigen ohne zu diskriminieren. Deswegen sortieren wir viele Wörter aus und diskutieren über die, bei denen wir uns unsicher sind. Dabei finden wir zum Glück neue Alternativen. Wie sich Fluchen auf unsere Schmerzempfindlichkeit auswirkt, warum wir in Zukunft nicht mehr „fick die Uni“ sagen werden und  was es mit „reclaimen“ von Beleidigungen auf sich hat, das hört ihr bei Spotify, iTunes, Podigee oder überall, wo es Podcasts gibt.

 

Quellen

Die Erforschung des Fluchens

Im Podcast spricht Philine davon, dass Psycholog*innen rausgefunden haben, dass Fluchen unseren Körper schmerzresistenter macht. Hier erklärt Richard Stephens seine Studie. Er hat mit der Forschung angefangen, nach seine Partnerin erzählte, dass ihr Fluchen bei der Geburt ihres Kindes geholfen hatte. Eine Hebamme berichtet im SZ Magazin von fluchenden Gebärenden. Die Wissenschaft des „Fluchens und Schimpfens“ nennt sich Malediktologie. Begründet hat diese in Reinhold Aman. Ein Interview mit ihm gibt’s hier (Triggerwarnung: hier kommt das N-Wort ausgeschrieben vor).

Fluchen ohne zu diskriminieren

Der Linguist Anatol Stefanowitsch spricht bei Deutschlandfunk Nova darüber, wie man diskriminierungsfrei beleidigen kann. Kein so gutes Beispiel kommt in Philines Abfuck-Moment vor: Flüche im europäischen Vergleich. In dieser Studie wurde festgestellt, dass die Verwendung von „gay“ als negative Bezeichnung zu homofeindliche Einstellungen führen kann.

Beleidigungen bei Jugendlichen

Die Präsentation über die Forschung von Ulrich Klocke (Humboldt-Uni Berlin) findet ihr hier. Von ihm kommen auch folgende Ergänzungen zum Podcast: „Wir haben die Jugendliche nicht gefragt „Weshalb verwendet ihr Begriff X?“ und dann die Antwort bekommen „Weil meine Freunde das machen.“ Die wenigsten Personen geben auf so eine direkte Frage hin zu, wie stark sie von anderen beeinflussbar sind. Wir sind hingegen so vorgegangen, wie Sozialpsycholog*innen das üblicherweise machen, wenn sie die Ursachen (nicht die subjektiven Gründe) für ein Verhalten rausfinden wollen:
Wir haben zum einen gefragt, wie oft sie welche Begriffe als Beleidigung verwenden. Und wir haben sie andererseits nach Dingen gefragt, die dieses Verhalten beeinflussen könnten, u. a. wie oft ihre Freund*innen diese Beleidigungen verwenden und wie ihre Freund*innen reagieren, wenn die Befragten selbst sie verwenden. Danach haben wir dann eine statistische Analyse gemacht, mit der wir geschaut haben, welche der vielen erfassten Variablen das Verhalten am Besten vorhersagen/erklären kann – oder auch knapp, welche Variable am deutlichsten im Zusammenhang mit dem Verhalten steht. Bei einigen Wörtern geht es ja nicht darum, dass man sie nicht verwenden sollte, z. B. „schwul“, „Jude“ oder „behindert“, sondern darum, ob man sie zur Beleidigung bzw. als Schimpfwort verwendet oder ganz neutral oder sogar wertschätzend. Damit verbindet man diese Wörter und Gruppen immer wieder mit etwas Schlechtem. Und das wirkt sich dann eben diskriminierend aus, weil es Vorurteile bei den Zuhörenden verstärkt, egal ob Betroffene anwesend sind oder nicht. Und was wir rausgefunden haben ist: Jugendliche, die sich der diskriminierenden Wirkung der Beleidigungen bewusst sind, verwenden sie seltener als Jugendliche, die sich ihr nicht bewusst sind.“

Reclaiming von Beleidigungen

Im Podcast sprechen wir kurz auch über das „Reclaiming“ von Begriffen – also die positive Aneignung ehemals negativ besetzter Begriffe durch Selbstbezeichnung. Mehr dazu nachlesen könnt ihr hier und hier. Außerdem gibt es auch ein theoretisches Modell zu Aneignung diskriminierender Begriffe von US Psycholog*innen. Ein Beispiel für reclaiming: Der Begriff „queer“ war ursprünglich auch abwertend und wurde in der Selbstbezeichnung postitiv umgedeutet. 2017 wurde Queer in den Duden aufgenommen.

Ursprung von Beleidigungen

Im Interview mit dem DLF spricht der Sprachwissenschaftler André Meinunger über die verschiedenen Fluchfamilien. In diesem Radiobeitrag wird die These aufgestellt, dass in religiösen Gegenden gerne mit „Gotteslästerung“ geflucht wird. Die haz erklärt, woher „Lauch“ kommt. Hier wird die Herkunft des Worts Honk erklärt.Bei jetzt und Deutschlandfunk Nova wird nachvollzogen, wie Namen wie Otto oder Kevin zu Beleidigungen wurden. Bento erklärt, welche Wörter aus dem Nationalsozialismus wir heute noch verwenden. Im Deutschlandfunk wird erklärt, wer im Nationalsozialismus als „asozial“ galt. Bei Slate und im Affinity Magazine wird erläutert, dass „Fuckboy“ wahrscheinlich ursprünglich Gefängnisslang für Männer ist, die vergewaltigt werden oder Sex gegen Gegenstände tauschen. Hier wird die Herkunft des Worts Douchebag erklärt. Die Welt hat einen Auszug aus Matthias Heines Buch: „Seit wann hat geil nichts mehr mit Sex zu tun? 100 deutsche Wörter und ihre erstaunlichen Karrieren“ veröffentlicht. Hier wird die Geschichte des K-Wortes beschrieben.

Ableistische Flüche und Beleidigungen

Der Aktivist Raul Krauthausen hat auf der Tincon 2016 einen Workshop zu ableistischer Sprache gegeben, nachdem er sich über die Videos von zwei Youtubern geärgert hat (TW: behindertenfeindliche Wörter). Hier wird die Herkunft des Worts Idiot erklärt.

Z-Wort und N-Wort

Belltower News erklärt sehr ausführlich, was das Problem an dem Z-Wort und dem N-Wort ist. (Trigger Warnung: Die Wörter werden dort ausgeschrieben.) Hintergrund zu Sinti und Roma: Der BR stellt einen guten Überblick über die Geschichte der Sinti und Roma dar. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat einen Artikel, der insbesondere die Verfolgung ud den Genozid an Sinti & Roma & die nicht bereitgestellte Wiedergutmachung für Überlebende (Triggerwarnung – das Z*-Wort wird hier verwendet.)

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